Munt Müsella – Wo Steinmännchen den Weg weisen

‘Was gibt es Schöneres als das Engadin im Herbst wandernd zu erleben? Wenig,’ wage ich zu behaupten. Denn das über 80km lange Hochtal entfaltet jährlich um diese Zeit seinen einmaligen, unverkennbaren Reiz: Sich golden verfärbende Lärchenwälder angereichert mit dem satten Grün der Arven, dazu der klare Blick auf die Seenlandschaft im Oberengadin, umgeben von frisch gezuckerten weissen Berggipfel. Entsprechend empfehle ich, in diesen Tagen eine Wanderung auf den Munt Müsella zu unternehmen. Der Berg ist technisch wenig anspruchsvoll und kann leicht bestiegen werden. Er verlangt aber eine gute Orientierung, da nicht alle Abschnitte markiert sind. Mit etwas Glück entdeckt man auf der Wanderung Steinwild, Gämsen und Bartgeier. 

Die Wanderung beginnt am Bahnhof in La Punt-Chamuesch-ch. Nach Überquerung der Brücke über den «En», wie der Inn hier noch genannt wird, nehmen wir die erste Gelegenheit war, um nach rechts abzubiegen und dem Bach «Ova Chamuera» bis zur zweiten Brücke zu folgen. Nur ein paar Meter später zweigt der markierte Wanderweg nach links ab. Kurz darauf beginnt der Aufstieg. Hinter den letzten Häusern trifft der Pfad auf einen Kiesweg. Diesen überquert man und geht auf dem Pfad weiter durch den Wald bis man wieder auf die Forststrasse kommt. Dieser folgt man ca. 100m. Kurz nach der Hochspannungsleitung biegt der relativ schlecht sichtbare Weg nach links ab. Dieser führt nun immer steiler werdend durch den Wald aufwärts zur Alp Müsella. Ab nun hilft es, sich regelmässig an den Steinmännchen zu orientieren. Der Einstieg in Richtung «Chaunt Sech» erfolgt vor der Alp nach rechts hoch. Der Weg ist hier gut sichtbar. Danach folgt ein wegloser Abschnitt. Ab ca. 2400m ist die Wegspur wieder gut sichtbar. Dieser folgt man in Richtung SO, um in einem grossen Bogen bis auf einen Sattel zu gelangen. Ab da gegen NW weglos auf den Gipfel. Der Abstieg führt zurück zum Sattel und ab da einer Wegspur folgend zu Punkt 2618. Hier Richtung W halten und weglos über den breiten Grasrücken bis Punkt 2330 absteigen (Stöcke!). Ab hier kann nichts mehr schief gehen, führt der Weg doch direkt zur Alp Müsella und ab da dem Aufstieg folgend nach La Punt.

Wander-Kolumne publiziert in der Südostschweiz und im Bündner Tagblatt am 25.9.2024

TOP: Die Rundumsicht über das Oberengadin mit seinen sich verfärbenden Lärchen.

Eckwerte zur Tour: Distanz 12.9 km, Aufstieg 987 HM, Abstieg 976 HM, Wanderzeit rund 5 ½ Stunden (zzgl. Pausen), Schwierigkeit T3 (Bergwanderweg).

Der Verein Wanderwege Graubünden führt im Übrigen eine riesengrosse Datei an einmaligen Wandererlebnissen. Diese sollen inspirieren, die Wanderschuhe zu montieren. Ein Teil davon findet auch geführt statt. Du möchtest lieber individuell und geführt mit mir unterwegs sein? Anruf genügt!


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Michael Meier

Zu Fuss unterwegs im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, bei Sonne, Regen oder Schnee mit und ohne Schneeschuhen. Ganz egal. Wichtig ist mir, mit frischem Geist und offenen Augen meine (Um-)Welt immer wieder neu zu entdecken und zu erleben. Die Foto-Kamera begleitet mich dabei, das Erlebte bildlich festzuhalten, um dann und wann einen Blog zu verfassen. Schön, wenn sich dadurch zahlreiche naturbegeisterte Menschen für eine geführte Wanderung mit mir motivieren lassen.