2022 erfüllten sich Anita und ich einen lange gehegten Traum: Schottland bereisen. Die Landschaft, der West Highland Way von Milngavie bei Glasgow nach Fort William sowie ‚Land und Leute‘ allgemein waren und sind einfach top. Daher war für uns bereits auf der Rückreise klar, dieses schöne Land schon bald erneut zu besuchen. Diesen Späthebst war es soweit. Mit unserem VW Bus California machten wir uns auf den Weg. Dabei fokussierten wir uns auf Südschottland (Southern Uplands), und ein paar Inseln der Inneren Hebriden. Das Fazit gleich zu Beginn: Wir werden es wieder tun!
Anreise
Der Weg nach Schottland führte in mehreren Etappen nach Ijmuiden in den Niederlanden und ab da mit der Fähre nach Newcastle. Die erste Nacht verbrachten wir in Colmar auf dem Stellplatz am ‚Port de plaisance‘ . Vom ‚aus dem Mittelalter und der Renaissance geprägten Altstadtbild‘ nahmen wir dabei herzlich wenig Kenntnis. Dafür fanden wir schon früh ein Hotel, in welchem wir spontan hervorragend frühstücken konnten. Gestärkt ging es weiter ins Grossherzogtum Luxemburg. Hier scheinen zahlreiche Welten aufeinander zu prallen. Auf unserer Stippvisite entschieden wir uns für einen Spaziergang in der Fussgängerzone der Altstadt, gefolgt von einem Abstecher an die Alzette mit ihren zahlreichen Riegelbauten. Nach einer erholsamen Nacht auf dem Stadtcamping Kockelscheuer ging es weiter in die Niederlande. Schliesslich wurden wir von DFDS erwartet. Der Tag begann ganz gemütlich und entspannt und endete auch so. Nur dazwischen sorgte ein Malheur zu ziemlich sehr viel Aufregung. Auf jeden Fall verzögerte sich die Überfahrt in der Folge um einen Tag… Details werden gerne im persönlichen Gespräch erläutert 😉









Überfahrt
Die Überfahrt verlief glücklicherweise unspektakulär langweilig und liess uns wider erwarten entspannt auf der Insel ankommen. Achtung: Seit dem BREXIT ist für UK wieder ein REISEPASS zwingend („ja, Anita, du hast recht!“) und die Zollkontrollen werden gewissenhaft durchgeführt. Ab April 2025 ist gar eine elektronische Reisegenehmigung (ETA) erforderlich. Beantragung über Smartphone mittels ‚UK ETA App‘. Für den Rest der Überfahrt lassen wir am besten die Bilder sprechen:












Fahrt in Schottland’s Westen
‚Links rum‘ ging es dann subito nach dem Zoll los. Erstaunlicherweise entpuppte sich die Fahrt auf der ‚falschen‘ Seite gleich ab Beginn als recht problemlos. So fuhren wir in Richtung Westen. Dumfries hiess der erste Ort, an dem wir einen Halt einlegten. Nicht früher. Schliesslich haben wir uns für Ferien in Schottland entschieden und nicht England. JETZT sind wir angekommen! Der River Nith kommt genauso daher, wie man sich schottische Gewässer vorstellt: Wild, rau, etwas von Torf gefärbt. Dazwischen Lachse, die Ende Oktober zu ihren Laichplätzen in weiter oben gelegene Regionen ziehen. Im Städtchen ein paar Meter weiter entfernt reihen sich diverse Einkehrmöglichkeiten aneinander. Wir wählen ein einladendes Café und geniessen eine britische ‚Tea-time‘ mit Schwarztee und Scones.



Rund um Ayr
Herrlich, wenn mehr oder weniger überall frei campiert werden darf! Am Loch Trool verbrachten wir die erste ‚wilde‘ Nacht auf Schottland. Hier zu übernachten lässt das Abenteurer- und Fotografen-Herz höher schlagen. Rundum Natur pur, unglaublich kräftige Herbst-Farben und ständig wechselnde (Regen-)Wolken-Formationen. Nichts wie raus und geniessen!
Nach einer gemütlichen Wanderung rund um das Loch Trool fuhren wir über Land weiter in Richtung Ayr. Durch eindrückliche Landschaft fuhren wir auf schmalen und sehr schmalen Strassen in Richtung Girvan. Kaum ein Auto begegnete uns dabei. Cool! Ein kleines Lämpchen liess uns in dieser Idylle dennoch innert Sekundenbruchteilen den Puls von 0 auf 200 schnellen. „Druckverlust, am Pneu vorne links“ zeigte es auf dem Display daneben an. Weniger cool! „Das darf aber nicht wahr sein! Radwechsel in der Pampa? Oh, sh.t!“ Sofort anhalten und Rad kontrollieren. Nichts. Doch die Anzeige blieb. Also fuhren wir gaaanz vorsichtig weiter. Girvan war immerhin noch über 50 km entfernt. Da sind wir im Pannenfall froh um jeden gewonnenen Kilometer. Irgendwie schafften wir es bis in den Ort. Dort fanden wir eine einfache Garage und konnten den Luftdruck checken. Erkenntnis: Technische Fehlanzeige! Ein Restzweifel blieb. Wir entschieden daher, hier über Nacht zu bleiben. Man weiss ja nie… Am Strand fanden wir einen perfekten Stellplatz mit Blick auf den Ailsa Craig und nur ein paar Meter daneben empfahl sich ein einladendes Pub. Nach soviel Anspannung hatten wir uns einen Drink verdient!












Isle of Arran
Am Trump Turnbery Hotel & Resort führte der Weg vorbei in Richtung Ayr. „Wow, hier liesse sich auch leben“, dachten wir, „doch für einen Tee-Halt wären wir auf dieser Anlage wohl etwas ‚underdressed’“. Ayr, die Hauptstadt der Grafschaft Ayrshire, liessen wir bei einem gemütlichen Stadtrundgang auf uns wirken. Danach ging es weiter nach Ardrossan und mittels Fähre auf die Isle of Arran. Die Insel trägt den Spitznamen „Schottland in Miniatur.“ Dies nicht ohne Grund. Man findet hier wirklich alles, was zu Schottland gehört: abwechslungsreiche Küsten, knackige Berggipfel, Strände, Wälder, Natur, Kulinarik, und, und, und. Aufgrund der Lage unseres Stellplatzes entschieden wir uns für Kulinarik. Wir wurden nicht enttäuscht. Am nächsten Tag fuhren wir gemütlich der Küste entlang um die Insel bis nach Lochranza. Dort setzten wir bei windiger See mit der Fähre nach Kinntyre über.
Ein Highlight auf der heutigen Fahrt waren mit Bestimmtheit die Badeenten, die wir in einem Garten entdeckten. Dank ihnen wurden wir nämlich in ein Gespräch verwickelt und kamen irgendwie auf Robben zu sprechen. Diese befänden sich auf unserem weiteren Weg an Punkt x. Wir würden sie dann schon finden… Tatsächlich! Die Freude über das Treffen schien gegenseitig gross gewesen zu sein. Auf jeden Fall kamen die Robben direkt auf mich zu geschwommen, als ich mich am Strand mit der Kamera positionierte. Aber nicht nur Robben liessen sich ablichten. Auch Brachvögel und Austernfischer zeigten sich in Model-Laune. Unglaublich bewegende Momente.












Oban
Spätestens auf dem Weg nach Oban, u.a. bekannt durch seine Whisky-Distillery, lernten wir das schottische Wetter richtig kennen. Sonne, Wolken, Regen, Nebel wechselten sich ab und gaben sich abwechslungsweise ein Stelldichein. Bis am Abend dominierte glücklicherweise das trockene Wetter wieder. Und so konnten wir das ehemalige Fischerdörfchen ganz gemütlich auf einem Spaziergang erkunden. Selbstverständlich kehrten wir nicht heim, ohne Einkehr in einem traditionellen Pub und einer spontanen Whisky-Degustation an der Bar…








Isle of Mull
Der Firth of Lorn zeigte sich für unsere Verhältnisse von seiner eher rauen Seite. Perfekt, um mit der Kamera auf der Fähre auf Wellen-Jagd zu gehen. Auf der Isle Of Mull angekommen, hiess es dann, das Objektiv wieder zu wechseln. Mehr oder weniger wilde Tiere säumten den Weg und liessen uns immer wieder anhalten. A propos anhalten: Es lohnt sich, die empfohlenen Navi-Zeiten jeweils zu verdoppeln. Es gibt derart viel Sehenswertes unterwegs, dass man einfach immer wieder anhalten und aussteigen muss.
In Tobermory fanden wir am Quai einen perfekten Stellplatz unmittelbar im Zentrum und mit Blick auf die Bucht. Ein Beizli hier, ein Pub dort, daneben die Tobermory Distillery. Was will man mehr? Ah, ja: Etwas Musik. Und da schienen wir gerade zur richtigen Zeit gekommen zu sein…
Am nächsten Tag folgte dann ein ‚Whale watching trip‚ auf hoher See. Wow, das ist schon eindrücklich, wenn die Delfine so um das Boot schwimmen, Wale auf- und untertauchen, zahlreiche spannende Vögel einen begleiten und Robben immer mal wieder zu einem ‚Grüezi‘ vorbei schauen.

















Rund um und auf dem Ben Navis
Mit einer weiteren Fähre liessen wir uns von der Isle Of Mull wieder auf das Festland führen. So erreichten wir den westlichsten Festland-Punkt von Grossbritannien. Durch karge Nebel-Landschaft fuhren wir weiter in Richtung Fort William.
In Fort William liessen wir uns von der Neptune’s Staircase faszinieren. Am Tag danach folgte mein Highlight: Die Besteigung des Ben Navis, den mit 1’345 m.ü.M. höchsten Berg Schottlands und Grossbritanniens. Auch wenn der Gipfel mehrheitlich im Nebel lag, so zeigte sich mir auf dem Weg immer wieder ein unglaublich faszinierendes Panorama. Der Blick reichte über die Grampian Mountains, die North Highland und bis zu den unteren Hebriden-Inseln. A propos ‚Gipfel im Nebel‘: Ben Navis ist gälisch und stehe sinngemäss für ‚der im Nebel liegende Berg‘. Insofern war ich also auf dem richtigen Gipfel.


















Luss – schönstes Dörfchen Schottlands
Für das Nachmittag-Programm war Anita verantwortlich. Entsprechend gemütlich ging es weiter. Über die Hochebene Glen Coe fuhren wir Teilen des West Highland Way entlang zum Loch Lomond und bis nach Luss. Man sagt, dies sei das schönste Dörfchen Schottlands. Nun, die blumengeschmückten Sandsteinhäuser mit ihren unverkennbaren Schieferdächern haben schon eine speziell einladende Ausstrahlung und das Dorf einen ureigenen Charakter.



Glasgow & Edinburgh
Nach Luss näherten wir uns relativ zügig den beiden grossen Städten Glasgow und Edinburgh. Glasgow ist mit über 635’000 Einwohnern rund die Hälfte grösser als Edinburgh. Dennoch gibt Edinburgh als Hauptstadt meist den Ton an. Im direkten Touristen-Vergleich überzeugte Glasgow aus unserer Sicht mit den sehr zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten und den weitläufigen Fussgängerzonen. Edinburgh strahlt dafür etwas mehr Charme aus und trumpft mit einem top Camping-Platz im Zentrum. So unser nicht ganz repräsentatives Ergebnis des schottischen Städte-Rankings. Beim nächsten Mal werden wir der Trendcity Glasgow etwas mehr Aufmerksamkeit schenken. Wer gerne Menschen beobachtet und deren Kleidungsstile (?) studiert, kommt in der ehemaligen Industriestadt mehr als genug auf seine Rechnung. Je näher an den Universitäten desto kreativer. es scheint wohl etwas mit dem IQ zu tun zu haben…





Der Küste entlang nach England (und nach Hause)
Entspannt und gemütlich verliessen wir die Hauptstadt und reisten der abwechslungsreichen, landschaftlich eindrücklichen Küste entlang nach North Berwick. Nach einem Städtebummel ging es weiter nach Berwick-upon-Tweed. Der ‚Ord House Country Park‚ ist sensationell für eine Nacht. Nicht nur die Infrastruktur ist top, auch das Restaurant und die Bar laden zum Verweilen ein. Fairerweise muss aber erwähnt werden, dass es sich nicht mehr um einen klassischen Camping-Platz handelte. Vielmehr um einen Park, bei dem zahlreiche Personen ihr fixes mobiles Häuschen bewohnen. Es ist somit schon fast mehr zu einem Wohnquartier mit Hotel und Restaurant geworden. Solche Holiday Parks sind recht verbreitet anzutreffen. Uns war dies recht. So ging es am Tag danach ganz entspannt und erholt weiter nach Newcastle, bzw. Tyne. Zollkontrolle und dann ab die Fähre. Nach dem Bezug des Zimmers richteten wir es uns schon bald gemütlich im Restaurant ‚North Sea‘ ein. Gemütlich bei einem feinen Glas Wein und wunderbarem Essen sitzend, liessen wir Grossbritanniens Küste an uns vorbeiziehen. Unglaublich schöne, erholsame Ferien durften wir miteinander in Schottland verbringen.









Ab Ijmuiden (Amsterdam) zogen wir die 950km Fahrt bis nach Seewis ziemlich direkt durch. Diesmal ohne Gegenstände auf einer Raststätte liegen zu lassen…

PS: Wen nun das Reisefieber gepackt hat… Im kommenden Jahr biete ich diverse geführte Wanderwochen an. Zur Auswahl stehen Reisen an die Ostsee, nach Sardinien, Korsika oder in die Süd-Bretagne. Schon früher geht es los mit Schneeschuh-Wanderungen in St. Antönien und Guarda. Hier findest du alle Angebote im Überblick. Du möchtest ein individuelles Package schnüren? Lass uns individuell eine geführte Tour aushecken… Schottland kenne ich mittlerweilen auch schon recht gut 😉 Mail und/oder Anruf genügt. Bis bald!
