Vier-Seen-Wanderung im Rheinwald? Kein Tippfehler. Das gibt es tatsächlich! Obwohl: Ganz alle Seen präsentieren sich noch nicht ganz so einladend wie der Sufnersee. Mit dem Postauto fahren wir bis Sufers. Ab da wandern wir im Namen der Wanderwege Graubünden erstmal gemütlich dem Ufer des Stausees entlang, dem in den 1950er Jahren verwirklichten kleineren Teil des Rheinwald-Projekts, mit einem Nutzinhalt von 16 Mio. Kubikmeter. Anschliessend steigen wir durch den landschaftlich abwechslungsreichen Göriwald und das Leimtobel hoch bis wir auf 2’272 m.ü.M. die Oberen und Unteren Surettaseen erreichen. Die Existenz des noch etwas höher gelegenen Turrasee können wir, wenn wir ganz ehrlich sind, aktuell nur erahnen, liegt in diesem Jahr schlicht noch zuviel Schnee in den Bergen. Das daraus resultierende Schmelzwasser ist es denn auch, das die als T2-Wanderung ausgeschriebene Tour da und dort anspruchsvoller erscheinen lässt. Vor allem die Bachüberquerungen sind nicht ganz ohne, wenn die Bäche derart sprudelnd ins Tal tosen.


Beim Blick über das Rheinwald sind wir froh und dankbar, dass die Bewohner der Gemeinden Splügen, Medels und Nufenen vehement auf die Pläne des Konsortium Kraftwerke Hinterrhein reagierten. 1942 wollten diese das Tal nachhaltig verändern und faktisch unbewohnbar machen. Auf Höhe der Burgruine, etwas unterhalb des Dorfes Splügen war eine 700 Meter lange und 115 Meter hohe Staumauer geplant, die das Dorf Splügen vollständig, Medels und Nufenen zum Teil überflutet hätte. Gewiss, so liest man im Buch „Passland Viamala“ hätten die Kraftwerke auf der Schattenseite des Tals ein „Neusplügen“ errichtet. „Und was sollen wir dort tun“, wollten die Bewohner wissen, „Tannennadeln fressen?“ Für uns wären Tannennadeln heute definitiv kein Ansporn gewesen, kehrte das Wetter nach der Mittagsrast doch rasch um. Heftiger Wind und Regen setzte ein, so dass wir um unsere Regenausrüstungen mehr als froh waren. Glücklicherweise war die Störung nur von relativ kurzer Dauer.
Bis zum Eintreffen am Zielort Splügen dominierte auf jeden Fall bereits wieder trockenes Wetter. Im Restaurant Suretta kehrten wir schlussendlich ein, stiessen an auf je rund 1000 Höhenmeter im Auf- und im Abstieg und knapp 16 km Fussmarsch und waren froh, dass das altehrwürdige Gasthaus damals nicht geflutet wurde. Die lokale Bevölkerung erhielt nämlich nach ihrem Nein Unterstützung von der Bündner Regierung und 1946 entschied der Bundesrat, dass das Rheinwald-Kraftwerk vom Tisch sei. Mit dem Postauto (statt dem Schiff…) ging es abschliessend zurück nach Chur.



PS: Unter https://www.wanderwege-graubünden.ch findest du im Übrigen die nächsten tollen geführten Wanderungen der Wanderwege Graubünden. Falls du aber Lust auf eine individuelle geführte Wanderung mit mir hast… Mail und/oder Anruf genügt :-). Bis bald!
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