Via Spluga (2/5): Mystische Momente

Wie angekündigt: Wir wären bereit für eine idyllische, romantische Wanderung auf der Via Spluga in kurzen Hosen und T-Shirt. Und wie wir, wären sie auch in Thusis offen für ein paar wärmende Sonnenstrahlen. Aber eben. Stattdessen stehen wir in Regenschutz-Vollmontur vor dem Schaufenster und lassen es über uns tropfen (früher hätte ich ‚pissen‘ geschrieben…). Aber, und das ist doch schon mal das Gute an der Sache, es regnet nicht mehr soo intensiv wie während dem Frühstück und wir konnten uns so auch gleich im Hotel in die Regenkluft stürzen. Das Nass wird uns also nicht so schnell etwas antun. Schon gar nicht auf die Stimmung drücken. Es ist einfach nur schön, sich so auf den Weg zu machen und in den Wald zu steigen.

17 km Fussmarsch, über 1’000 HM im Aufstieg und gegen 800 HM im Abstieg sind heute auf der Strecke zwischen Thusis und Andeer zu bewältigen. Die letzten paar Meter zwischen Zillis und Andeer hängen dann auch entsprechend an. Ansonsten merken wir die Anstrengung kaum. Die Landschaft ist derart faszinierend mystisch, die in noch nie gesehener Anzahl Alpensalamander so faszinierend, das Tosen des Rheins und der zahlreichen Seitenbäche unglaublich berauschend, dass es einfach ‚läuft‘. Dazwischen werden wir im Besucherzentrum in der Viamala-Schlucht bestens von Urs Attenhofer bewirtet und in Zillis darüber aufgeklärt, dass die einzigartige romanische Bilderdecke der Kirche St. Martin bis Mitte Juli 2024 renoviert werde. Schade, denn die insgesamt 153 ornamental gerahmten, bunt bemalten Einzelfelder aus Holz, die 1109 bis 1114 entstanden sein sollen, wären unbestritten ein Besuch Wert gewesen.

So wandern wir nach einer kurzen Pause auf direktem Weg weiter nach Andeer. Die Streckenführung der Via Spluga wurde hier angepasst. Wohl, um die Wandernden sicher an der Kirche St. Martin vorbeizulotsen. Doch attraktiv ist der Schlussabschnitt, welcher offiziell von Zillis über Donath und Clugin zum Etappenziel führt, nicht. Zuviel ‚unnötige‘ Höhenmeter. Da war die alte Linie über Pigna attraktiver. Immerhin gibt es dort unterwegs noch eine Beiz. Schlussendlich entscheiden wir uns für die Direttissima, dem Hochwasser führenden ‚Rein Posteriur‘ entlang und erreichen bei Sonnenschein (!!!) unser Tagesziel Andeer. Absteigen werden wir im Hotel Fravi. – Es lohnt sich!

Hotel Fravi und Etappenziel in Sicht


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Michael Meier

Zu Fuss unterwegs im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, bei Sonne, Regen oder Schnee mit und ohne Schneeschuhen. Ganz egal. Wichtig ist mir, mit frischem Geist und offenen Augen meine (Um-)Welt immer wieder neu zu entdecken und zu erleben. Die Foto-Kamera begleitet mich dabei, das Erlebte bildlich festzuhalten, um dann und wann einen Blog zu verfassen. Schön, wenn sich dadurch zahlreiche naturbegeisterte Menschen für eine geführte Wanderung mit mir motivieren lassen.