1816 war ‚das Jahr ohne Sommer‘. Im Juli fiel Schnee bis in die Niederungen, die Ernten fielen in ganzen Regionen aus. Die Bündner nutzten die Zeit, um mit dem Königreich Sardinien-Piemont Verhandlungen über Passstrassen über den Splügen bzw. über den San Bernardino aufzunehmen. In der Folge und schlussendlich sind wurden beide Passübergänge erschlossen. Die Süddeutschen setzten sich für die Finanzierung des San Bernardino ein und die Österreicher sorgten dafür, dass sie über den Splügen Zugang zur Lombardei bekamen. In der Zwischenzeit ist der Sommer aber zurückgekehrt und er zeigte sich heute wieder von seiner heissen Seite. Dampf stieg auf aus allen Löchern und zeitweise herrschte ein leicht tropisches Klima in den Bergen.



Nach einem hervorragenden (!) Frühstück verliessen wir gestärkt das Dorf Andeer. Viel zu früh ging es mit dem Aufstieg los. Hätten wir nur noch ein bisschen die Kunstwerke der Andeerer Granit-Werke bestaunt oder die schönen Gärten in Andeer oder noch etwas ‚gehängert‘ mit der Dorf-Bevölkerung oder sonstwie verdaut… Doch irgendwie und irgendwann wollen auf der Via Spluga die 14 km Weg, 950 HM Auf- und 460 HM Abstieg ja überwunden werden. Über die Bärenburg stiegen wir in die Roflaschlucht und waren fasziniert von den Wassermassen, die im Kraftwerk talwärts schossen. Und das war nur der Überlauf! Für Strom scheint noch einen Moment lang gesorgt zu sein… Am Festungsmuseum Crestawald führte uns der Weg vorbei zum Suferser Stausee. Sufers erlebten wir zu Fuss von einer ganz neuen Seite: Einladend, lieblich und ruhig präsentiert sich dieses ehemalige Walser-Dorf wenn man etwas abseits von der A13 geht. Über eine gut ausgebaute Meliorationsstrasse erreichten wir nach weiteren rund 1 1/2 Stunden Splügen. Im Hotel Bodenhaus wurden wir bereits erwartet und die Küche versprach, was an den Wänden geschrieben stand: „Im übrigen haben es sich die Inhaber des Hauses stets angelegen sein lassen, für wohl zubereitete und kräftige Nahrung zu sorgen“ (Werbebroschüre 1885, Walter Amsler). Wir werden die Kalorien benötigen. Morgen steht die Königsetappe über die Grenze nach Isola auf dem Programm!





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