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Steinbock: Lebensweise und Fortpflanzung

Im Mittelalter war der Steinbock über weite Teile der Schweizer Alpen verbreitet. Er verschwand bei uns in der Schweiz zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch Überbejagung. Die letzten Steinböcke konnten zwischen 1800 und 1850 im Wallis beobachtet werden. Der Jagdbegeisterung der damaligen italienischen Könige ist es zu verdanken, dass es den Steinbock heute noch gibt.…

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Im Mittelalter war der Steinbock über weite Teile der Schweizer Alpen verbreitet. Er verschwand bei uns in der Schweiz zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch Überbejagung. Die letzten Steinböcke konnten zwischen 1800 und 1850 im Wallis beobachtet werden. Der Jagdbegeisterung der damaligen italienischen Könige ist es zu verdanken, dass es den Steinbock heute noch gibt. Er überlebte einzig im königlichen Jagdrevier im Aostatal (Gran Paridso). Mit Tieren aus dieser Kolonie begann man im Wildpark Peter und Paul in St. Gallen 1906 eine erfolgreiche Zucht. 1911 konnten die ersten Tiere im eidgenössischen Jagdgebiet „Graue Hörner“ (SG) ausgesetzt werden. Weiter Aussetzungen folgten im ganzen Alpenraum. Basis der heutigen Population waren wenige Gründertiere, weshalb alle der ungefähr 16,000 Steinböcke in der Schweiz eng miteinander verwandt sind. (Baumann, M. et al. (2019), Jagen in der Schweiz – Auf dem Weg zur Jagdprüfung. hep-Verlag)

Steinböcke werden zwischen 70 und 100 kg schwer. Sie paaren sich (brunften) im Dezember/Januar, was energietechnisch eine sehr ungünstige Zeit ist. Doch die Tragzeit beträgt 6 Monate, was eine Geburt bei den Jungtieren von ca. Juni ergibt. Zu diesem Zeitpunkt ist in der Regel ausreichend Nahrung für die Aufzucht vorhanden, was dann wiederum gut in den Jahreskreis passt. Um in der Brunft Energie zu sparen, legen die Böcke ihre Ränge daher bereits über das Jahr hinweg fest. Die Kämpfe untereinander werden somit mehr als ritualisierte Kommentkämpfe geführt, was eine hohe Energieeinsparung bedeutet. Die eigentliche Brunft verläuft als Kommunalbrunft. Das bedeutet, dass mehrere Böcke ein Rudel Geissen begleiten. Der dominante Bock imponiert dabei durch seine Körpermasse und Gehörnausbildung.

Eine Geiss (Weibchen) setzt (gebärt) in der Regel ein Kitz. Dieses wird während 4 – 6 Monaten gesäugt. Danach gilt es auch für den Nachwuchs, sich ausschliesslich von Gras, Kräuter, Flechten und Nadeln zu ernähren.

Beim Steinwild tragen beide Geschlechter Hörner. Bei den Böcken werden diese bis ca. 105 cm lang, bei den Geissen rund 30 cm. Im Gegensatz zu hirschartigen Tieren trägt das Steinwild seine Hörner lebenslang. Sie gehören daher in die Kategorie der Boviden. Die weiblichen Hörner sind rundlich, während die Hörner der Böcke im Querschnitt dreieckig sind. Anhand der Jahrringe auf der Rückseite der Hörner lässt sich das Alter der Tiere bestimmen. Oft werden je Jahr zwei Schmuckknoten („Buckel auf der Vorderseite beim Bock“) gebildet.

Steinböcke sind vorwiegend tagaktiv. Sie leben in Rudeln, wobei sich Geissrudel mit Jungtieren beiderlei Geschlechts bilden und Bockrudel mit Tieren aller Altersklassen. Alte Böcke sind ausserhalb der Brunftzeit auch einzeln anzutreffen. Innerhalb der gleichgeschlechtlichen Rudel besteht eine Rangordnung, welche bei den Geissen durch das Alter, bei den Böcken durch die Körpergrösse, das Alter und die Hornlänge bestimmt wird. Durch Hornschlagen, Hornschieben, Imponieren und Drohen wird die Rangordnung im Rudel festgelegt.

Alter Steinbock auf der Gross Furgga

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