Seit Jahrzehnten bin ich begeistert von dieser Insel im Mittelmeer. Und auch wenn man mittlerweile doch das eine oder andere kennt, ist es jedesmal von Neuem eine Freude, die Insel zu bereisen. Seit ein paar Jahr darf ich für Baumeler-Reisen die Wanderreise im Raum Corte – Calvi durchführen. Diese erfreut sich regelmässig grosser Beliebtheit.
Kein Wunder, entstand bei mir die Idee und der Wunsch, im Süden eine weitere Wanderwoche anbieten zu können. Nun bin ich also aufgebrochen, die seit Langem geplante Reise ein zu eins vor Ort abzuschreiten. Gleichzeitig wollte ich prüfen, ob die Hotels den gewünschten Ansprüchen entsprechen.
Das Fazit gleich zu Beginn: Es passt! – Die Reise wird sehr, sehr lohnenswert und schön!
Anreise mit dem Bus – es zieht sich
Nach einer flotten Wanderung für die Wanderwege Graubünden entschied ich mich, direkt in Richtung Süden zu fahren. Die andauernden Staumeldungen gehen nicht spurlos an einem vorbei. Deshalb wollte ich sicher sein, meine Fähre am kommenden Morgen um 0745 Uhr in Savona auch bestimmt zu erreichen.
Die Anfahrt verlief wie erhofft. Also fast… Denn gleich nach der Grenze und vor der ersten Mautstelle meldete sich mein Bord-Computer mit einem Piepsen und dem Hinweis „Reifendruck an allen Rädern überprüfen“.
„Super,“ dachte ich, „eine Reifenpanne. Genau DAS habe ich jetzt nötig!“ Ein kurzer visueller Check auf dem Pannenstreifen liess mich dann etwas aufatmen. Der Luftdruck schien noch ausreichend zu sein. Sehr wahrscheinlich war die Fehlermeldung aufgrund der grossen Hitze entstanden. Ich bestätigte also den Reifendruck und fuhr mit einem doch etwas mulmigen Gefühl und ganz gemütlich weiter. Man will ja nichts provozieren…
Savona erreichte ich schlussendlich mühelos. Nun noch eine kurze Stärkung und dann ab ins Bett. Gerne wollte ich für die Überfahrt einigermassen fit sein. An Schlaf war allerdings in keiner Art und Weise zu denken. Unglaublich, wieviele testosterongeschwängerte Voll-Idioten rund um die Uhr zeigen wollen, was sie unter dem A… haben!!! In Gedanken trällere ich das Lied von Polo Hofer mit dem treffenden Titel „Arsch-lo.ch„.
Geschlafen habe ich trotzdem kaum. Dafür war ich früh beim Check-in bei Corsica Ferries und hatte alle Zeit, das Geschehen am Hafen zu beobachten und den Sonnenaufgang zu geniessen. Auch gut, so.






Ankunft in Bastia
Nach einer gefühlten Ewigkeit legte die Fähre endlich in Bastia an. JETZT kann es losgehen, dachte ich mir. Denkste. Es schienen alle denselben Weg in Richtung Bonifacio eingeschlagen zu haben. So wurde die Fahrt zu einer ziemlichen Konzentrationsübung.
Irgendwann erreichte ich den Süden der Insel dennoch und fand auf dem Camping Pian del Fosse einen hervorragenden Campingplatz. Die Wandertage konnten beginnen! Und zur Beruhigung: Auf der offiziellen Reise werden wir mit People’s ab Altenrhein bequem nach Figari fliegen.
Wanderung I: Capo Pertusato – Bonifacio
Genial, wenn man am Morgen noch schlaftrunken aus dem Fenster schaut und die Sonne einem als rot leuchtender Feuerball einen frohen Tag wünscht! Nichts wie raus, Kaffee trinken und die Natur geniessen.
Die erste Wanderung führt mich direkt ab dem Campingplatz in Richtung Meer zum Capo Pertusato. Das Kap bildet mit seinem Leuchtturm die Südspitze der Insel. Der Weg verläuft gemächlich immer ein bisschen am Wasser und dann wieder an und auf den Klippen in Richtung Bonifacio.
Das Herrliche an meiner gewählten Tour ist, dass man dem Touristenstrom lange ausgewichen kann. So können wir uns dem auf Kalkfelsen erstellten Bonifacio ganz entspannt nähern. Die Wanderzeit der offiziellen Wanderung wird rund 2 3/4 Stunden sein.
Die Eindrücke in Worte zu fassen überlasse ich an dieser Stelle gerne den Bildern:












Wanderung II: Vom Col de Mela über die Punta di a Vaca Morta zum Col di Bacinu
Es wird herausfordernd, täglich neue Adjektive zu finden, die die zum Wandern einladende und zur persönlichen und geistigen Erholung beitragende Umgebung treffend beschreiben. Kurzum: Es ist einfach nur schön, hier im Süden der Insel zu wandern. Und das auch bei über 30 Grad…!
Auf der heutigen Tour führen viele Abschnitte durch offenen, schattenspendenden Föhrenwald. Herrlich. In der Höhe führt der Weg dann durch die in Korsika so typischen Granitblöcke. Kurzweilig. Und sowohl auf dem Grat als auch auf dem Gipfel weht ein frisches Lüftchen. Erholsam.
Dazwischen stosse ich per Zufall auf eine Beiz. Perfekt :-).
Auf den rund sieben Kilometern sind 330 Höhenmeter im Aufstieg und 590 Höhenmeter im Abstieg zu überwinden. Das tönt nicht gerade nach einer Heldentat. Allerdings ist auf den Wegen in Korsika Vorsicht geboten, wenn man sie in Schweizer Standardzeiten umrechnet. Die Tritte sind oft deutlich grösser und die Temperatur lädt ein, gemütlicher zu wandern.
Die offizielle Wanderung wird etwa vier Stunden dauern. Insgesamt es eine wunderschöne Wanderung von Pass zu Pass – inklusive Gipfelerlebnis und Einkehrmöglichkeit.







Wanderung III: Uomo di Cagna und Cima di Cagna
Der berühmte und schon von weitem sichtbare Wackelstein in der Nähe von Giannuccio ist das heutige Gipfelziel. Einst soll der riesige Stein der Schifffahrt als Orientierungspunkt gedient haben. Er ist schon von Weitem gut und markant sichtbar.
Faszinierend ist er schon, dieser Granitblock, der aussieht, als würde er federleicht schweben – und jederzeit in die Tiefe fallen. Macht er aber nicht.
Ab dem Parking geht es auf einem gut augebauten Wanderweg bergwärts. Grosse Teile führen dabei durch den Wald, was mir bei dieser ‘Affenhitze’ mehr als gelegen kommt. Das Hochplateau ist rasch durchschritten, und schon wird es felsiger. Felsblöcke unterschiedlichster Grösse säumen nun den Weg. Zeit, die Hände aus dem Hosensack zu nehmen.
Der Schlussanstieg erfordert noch einmal Konzentration bei der Orientierung. Man glaubt es kaum: Wenn man in der Macchia vom Weg abkommt, ist man innert Sekunden verloren.
Der Gipfel präsentierte sich leider nicht so gipfelmässig, wie ich mir das vorgestellt hatte. Landschaftlich ist er auf jeden Fall äusserst eindrücklich. Die Granitblöcke sind einmalig geschichtet und bilden skurrile Formen. Auch die Aussicht ist gewaltig.
Um aber ‘richtig’ in die Ferne blicken zu können, erfordern die letzten 30 Höhenmeter eine etwas ziemlich mühsame Blockkletterei (T5). Gut habe ich diese anspruchsvolle Wanderung ausprobiert. Noch besser ist, dass ich einen zweiten Pfeil im Köcher habe: Den Löwenfelsen, bzw. den Lion de Roccapina. Diese Wanderung werde ich ins Programm aufnehmen.






Wanderung IV: Lion de Roccapina
Der Lion de Roccapina seine eine der grössten Attraktionen im Südwesten Korsikas. Sagt man. Doch Tatsächlich ist es eindrücklich, wie sich dieser Fels präsentiert!
Ab Bocca di Curali mache ich mich auf den Weg und umrundete dieses Naturphänomen. Und dann konnte ich dem Meer tatsächlich nicht mehr widerstehen. Die Cala di Roccapina ist einfach zu einladend, als dass man sie nur in Wanderschuhen geniessen kann. Etwas nass, salzig und sandig, aber HERLLICH – muss ich sagen 😉

Wanderung V: Cala d’Aguglia und Punta di Manna Mulina
Auf dieser wunderbaren Rundwanderung ab Campomoro kommen wieder einmal alle auf ihre Rechnung: Historiker am Genuesenturm, Geologen mit den faszinierenden Tafonifelsen, Badefreunde an der Cala d’Aguglia, Gipfelstürmer auf der Punta di Manna Mulina und Naturliebhaber überhaupt.
Es ist eine angenehme, technisch wenig anspruchsvolle Wanderung. Konditionell verlangt sie auf ihren 15 Kilometern und mit 320 Höhenmetern Auf- und Abstieg aber doch einiges.
In Campomoro werde ich dann freundlich vor die Wahl gestellt, in welcher Bar ich wohl den wohlverdienten Drink geniessen möchte. Ich habe richtig entschieden, die Pause genossen und bin dann gleich und spontan nahtlos zum Nachtessen übergegangen.
So dermassen fein gegessen wie im «Le Ressac» habe ich noch selten. Und ganz bestimmt noch nie auf Korsika. «Gspunnä».






Sartène – Die korsischste Stadt
Der Schriftsteller Prosper Mérimée ist eigentlich der Auslöser dafür, dass der historische Ort Sarténe im Südwesten der Insel zu seinem prägenden Beinamen kam. Die Altstadt trägt mit ihren fünf- bis achtstöckigen Häusern natürlich ebenfalls das Ihre dazu bei. Wo kann man diese verdichtete Bauweise sonst noch dermassen klar vor Augen führen?
In den zahlreichen Villen in der Wildnis mit ihren Schildern „Proprieté privée“ auf jeden Fall bestimmt nicht. Dort ist es auch vorbei mit der Einhaltung des vor Jahren erlassenen französischen Gesetzes, wonach der Zugang zum Meer auch Privaten möglich sein müsse. Eine kapitalstarke (Golfer-) Gesellschaft biegt die Gesetze zu ihren Gunsten. Nun, Politik sei an dieser Stelle weniger das Thema. Daher erfreue ich mich lieber am aktiven Geschehen rund um den Place de la Libération.
Am Dienstag, Donnerstag und am Samstag ist da jeweils Markt und es herrscht emsiges Treiben. So gefällt mir Korsika: Da und dort wird getratscht, gelacht und sich ausgetauscht. Ab und zu wird auch ein quittungsfreier Handel getrieben. Und taucht ein Gendarme auf, so kennt man immer eine Geschichte, weshalb man den SUV nur ganz kurz und vorübergehend im Parkverbot abgestellt habe. Mit viel Theatralik findet man dann rasch eine Lösung.
In Sartène haben mich aber vor allem auch die zahlreichen dunklen, schmalen und engen (Sack-) Gässchen fasziniert. Die Stadt strahlt hier etwas ganz Besonderes aus. Handkehrum ist die Kirche gross, farbenfroh und sehr einladend gestaltet. Man spürt, wo in der Stadtplanung die Prioritäten gesetzt wurden.









Wanderung VI: Capu di Muru
Die Wanderung zum Capu di Muru und zum u Fanalettu (Leuchtturm) gefällt mir wieder besonders gut. Eine abwechslungsreiche Küsten- und Panoramawanderung eröffnet immer wieder schöne neue Einblicke in die einmalige Landschaft. Und das alles umgeben von herrlich duftender Macchia, wie sie eben nur hier so richtig zur Geltung kommt.
Diese gemütliche Tour gefällt mir ausserdem deshalb so gut, weil Teile der Wanderung immer wieder durch schattenspendendes Buschwerk führen. Trotzdem kann stets in die Ferne schauen und meinen Wunder stillen.
Am Ausgangs-, bzw. Zielpunkt gibt es ausserdem ein besonders Highlight: Das „Le Capo di Muro“ begrüsst seine Gäste nicht umsonst willkommen mit „Bienvenue au Paradis“.
Absolut traumhaft gelegen ist dieses einfache, aber sehr liebevoll gemachte und erst noch freundlich bediente Aussichtsrestaurant mit Sicht auf den Golfe du Valinco vor Proriano. Und: Das Wildschein kommt, nachdem der Grill angeworfen wurde, gleich selbst auf die Terrasse…




Wanderung VII: Col de Saint-Eustache – Monte San Petru – Casalabriva
Ein weiteres Highlight dieser Wanderwoche! Ab dem Col de Saint-Eustache geht es auf einem gut ausgebauten Wanderweg erst durch schattenspendenden Kiefernwald und dann auf dem Kamm gemütlich dem Gipfel entgegen. Begleitet von – ich wiederhole mich – einem unglaublich schönen und abwechslungsreichen Panorama.
Der Monte San Petru stellt mit seinen 1400 Metern ein prädestinierter Aussichtspunkt dar: mit Blick zum Bavella-Gebirge im Osten, Propriano im Süden und der Bucht von Ajaccio im Westen.
Über den Grat geht es weiter zur Punta di Fuchiccioli und danach runter nach Casalabriva, einem (ausgestorbenen) Dorf aus dem 16. Jahrhundert. Abwanderung ist ganz allgemein ein ernsthaftes Problem in diesen Bergdörfern. Oft wohnen nur noch rund 40 bis 50 Personen ganzjährig an diesen Orten. Die Häuser werden somit mehrheitlich nur noch ferienhalber bewohnt.






Das Fazit
So, mit diesen Eindrücken und Berichten geht meine Reko-Reise hier auf Korsika zu Ende. Ich werde nun noch die eine oder andere Anpassung im Programm vornehmen. Eines ist jedoch bereits gewiss: Die Wanderwoche im Süden der Insel wird wunderschön!
Wir werden nicht nur schöne, abwechslungsreiche Wanderungen vornehmen sondern uns auch Zeit nehmen, die Kultur unter anderem in Sartène, Propriano und Bonifacio zu erleben. La Corse, c’est promis : on y revient!

Eckdaten zur Reise:
Durchführung: 12. – 19. September 2027, Flug ab Altenrhein nach Figari und zurück.
Dauer: 8 Tage, wovon an 6 Tagen täglich zwischen 2 1/2 und 5 1/2 Stunden gewandert wird.
Schwierigkeit: Die korsischen Wanderwege haben es in sich. Umgerechnet bewegen wir uns mehrheitlich im Bereich T2/T3/T4 (Trittsicherheit)
Ausrüstung: Wanderausrüstung (s. Checkliste als Ideen-Lieferant). Zu den Schuhen: Mit meinen La Sportiva Aequilibrium aus dem Rätikon Sport bin ich auch in Korsika sicher und bequem unterwegs. Festes Profil und die Knöchel sind geschützt.
Unterkunft: Hotel Bartaccia in Propriano und Hotel A Cheda in Bonifacio
Details zur Ausschreibung und Anmeldung: Baumeler – echt unterwegs
Reiseleiter: Michael Meier – Ich beantworte auch gerne allfällige Fragen zu Tour direkt
PS: Hier findest du die nächsten tollen geführten Wanderangebote mit mir. Nichts Passendes gefunden? Lass uns für dich und deine Freunde individuell eine geführte Tour aushecken… Mail und/oder Anruf genügt :-). Bis bald!
