Keine Angst vor Herdenschutzhunden

Gratulation! Ein passenderes Thema konnte sich der Verein Wanderwege Graubünden zum Auftakt der neuen Wandersaison kaum ausdenken, hat doch die Anzahl Herdenschutzhunde (HSH) in den letzten Jahren mindestens ebenso exponentiell zugenommen wie die Wolfspopulation selber. Und für mich als Wanderleiter bildet der Umgang mit den HSH eine deutlich grössere Herausforderung als der Wolf selber. Sehr wohl habe ich schon verschiedentlich Spuren vom Wolf vorgefunden, selber gesehen habe ich das Tier allerdings beim besten Willen noch nie.

Halte Distanz – umgehe die geschützte Herde – bewege dich langsam – bleibe ruhig

Mehr zum richtigen Verhalten gibt es kaum zu sagen… Ausserdem sind auf SchweizMobil bzw. unter herdenschutzschweiz.ch die Gebiete eingezeichnet, wo HSH eingesetzt werden. So kann bereits in der Vorbereitung die Wanderung entsprechend geplant werden. Die Gebiete sollen durch die zuständigen Alpen/Hirten bis im Februar gemeldet werden, um ab Mai den verschiedensten Anspruchsgruppen online verbindlich zur Verfügung zu stehen.

Hunde mit klarem Auftrag

Jan Boner vom Plantahof in Landquart hat uns den Auftrag der Hunde deutlich erklärt: „Die Hunde haben ihre Herden selbstständig und instinktsicher bei Tag und bei Nacht und bei jedem Wetter zu schützen.“ Das bedingt, dass als HSH Tiere eingesetzt werden, die gelände- und wettertauglich, widerstandsfähig und robust sind. Alle HSH müssen vor dem eigenständigen Einsatz im Gelände eine Prüfung ablegen und den Beweis erbringen, dass sie Freund und Feind unterscheiden können. HSH haben einen eigenen, starken Charakter. Das führt dazu, dass die HSH Angst einflössend wirken können. Respekt und Toleranz verhindern unnötige Zwischenfälle und erleichtern den Hunden die Arbeit.

Angst einflössen können die Tiere tatsächlich. Das habe ich im Kurs gleich selber erleben dürfen, indem ich über den Zaun stieg und mich direkt auf die geschützte Herde hin zubewegte. Rasch wurde ich von den Hunden begrüsst… Nicht mit Gebell, dafür mit beschnuppern von hinten und freundlich bestimmtem eskortieren… Nachdem ich den HSH mittels Körpersprache und wohlwollendem Selbstgespräch verständlich gemacht hatte, dass ich nur die Weide queren wolle, sind sie wieder auf Distanz gegangen und haben mich aus der Ferne beobachtet. Einfach cool bleiben und die Nerven behalten 🙂

Respektvoll und mit gegenseitiger Rücksichtnahme in die Berge

Über 57% der Schweizer geben an, regelmässig wandern zu gehen. Das bedeutet gemäss Stephan Kaufmann, Geschäftsführer von Wanderwege Graubünden, allerdings nicht, dass auch alles Wanderer sind. Umso wichtiger ist es, mittels aktivem Austausch unter den verschiedenen Akteuren mögliche Nutzungskonflikte aktiv anzugehen und auf diese Weise gar nicht erst richtig entstehen zu lassen. Tagungen wie die heutige dienen auf ideale Art und Weise dazu, sich vertieft mit der Materie auseinanderzusetzen, andere Perspektiven und Meinungen zu erfahren und untereinander zu einem besseren Verständnis beizutragen. – Herzlichen Dank!

  • Übrigens
  • Meine Wanderungen im Mai finden beide in Gebieten statt, in denen wir NICHT auf HSH stossen werden. Wir können also ganz locker bleiben und einfach nur geniessen. Anmeldung weiterhin möglich.
  • Am Nachmittag fand der Kurs „Begegnungen mit Mutterkuhherden“ statt. Mehr dazu später.
  • Am Samstag, 7. Mai finden beide Kurse ein zweites Mal statt.
Michael Meier

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