Mecklenburger Ostseeküste (13.-20.9.2025)

Tag 1 & 2 (13./14.9.): Anreise und erste Wanderung an der Ostsee

Moin! Ich heisse Dich herzlich willkommen im neuen Blog über meine jüngste Reise für Baumeler an die Ostsee. In Bahnhof in Basel SBB nehme ich meine Gruppe in Empfang, um anschliessend mit der Deutschen Bahn die Zugfahrt nach Hamburg Hbf anzutreten. „Was, mit der DB?“, werden einige nun denken, „da kommt man doch ewig nicht an!“ Auch wenn ich die DB immer wieder stark in Schutz nahm, muss ich leider langsam kapitulieren und meine Argumentation anpassen. Bis Frankfurt verlief die Fahrt noch stark nach Fahrplan, doch dann begann es mit den Verspätungen. „Infolge eines defekten Stellwerks wird unser Zug umgeleitet. Die Reise wird sich um rund 30 Minuten verzögern“. Aus den 30 Minuten wurde dann eine Dreiviertelstunde. In Hannover erreichten wir wieder die Originalstrecke. Doch dann hiess es, „aufgrund einer Suizidandrohung auf der Strecke wird sich die Weiterfahrt leider um unbestimmte Zeit verzögern.“ Statt um 15.36 Uhr trafen wir dann so gegen 17.30 Uhr in Hamburg ein. Immerhin konnte ich mich mit dem Chauffeur von Schröder Reisen immer wieder telefonisch austauschen und er war erfahren und vif genug, sich kreativ neue Warteräume in der Grossstadt auszuhecken. Danke, Volker, du warst (einmal mehr) spitze! Dennoch schob sich natürlich das Check-in im Hotel Aquamarin ziemlich nach hinten. Meine Gruppe, und das war für mich eigentlich das Wichtigste, nahm die ganze Angelegenheit relativ entspannt. Die Müdigkeit von der langen Reise war beim Nachtessen allerdings offensichtlich. Entsprechend rasch verzogen sich (fast) alle in ihre Gemächer. Ich liess mir allerdings einen Schlumi an der Promenade beim Rauschen der Ostsee und Blick in den Mond- und Sternenhimmel nicht nehmen. Einfach herrlich, hier oben!

Willkommensschild für das Ostseebad Kühlungsborn mit Hinweis auf verschiedene Sprachen.
Kühlungsborn – Seebad mit Flair

Nach einer erholsamen Nacht erwartete uns ein wunderbar vielseitiges, abwechslungsreiches und einladendes Frühstücksbuffet. Der Gedanke, ob uns wirklich allen bewusst ist, wie gut es uns geht, beschäftigt mich jedesmal, wenn ich mich so wie im Schlaraffenland bewegen darf. Gestärkt machen wir uns danach auf die Strandwanderung in Richtung Naturschutzgebiet Riedensee. Das Wetter klart von Minute zu Minute auf und zusätzliche Freude kommt auf, wie wir im Sand teils barfuss gehen können. Das Video soll einen kleinen Einblick geben und ‚gluschtig‘ machen:

Strandwanderung an der Ostsee

In Kägsdorf werden wir von Kutscher Carsten mit seinen beiden Pferden Pippi und Hera und dem mit Speis und Trank beladenen Planwagen empfangen. Uns nach dieser schönen Einstiegswanderung mit Pferd und Wagen nach Kühlungsborn zurück chauffieren zu lassen und dabei einen Brezen und ein Bier in Händen zu halten ist einfach jedesmal ein Highlight der Reise!

Den Nachmittag durfte sich jeder selbst gestalten. Ich entschied mich, mit dem Fahrrad zum Leuchtturm zu radeln. E-Bike? Nicht doch. Die paar Meter werde ich doch locker mit einem ‚hundssteinalten‘ 7-Gänger und Rücktritt schaffen. Aber oha! Der Aufstieg hatte es in sich und ich brauchte ziemlich in die Pedalen zu treten. Der Rundblick ab dem Leuchtturm war dann 1A! Bis nach Dänemark reichte die Sicht und auch das markante Hotel Neptun von Warnemünde glaubte ich am Horizont zu erkennen. Auf der Rückfahrt begegnete ich dann noch einem Sprung Rehe, entdeckte allerlei reife Früchte und genoss noch einmal den Strand, welcher sich in der Zwischenzeit angenehm warm und trocken präsentierte. Fast wie im Urlaub 😉

Tag 3 (15.9.): Küste und Kultur

„Schietwetter“, so lerne ich, sagt man hier im Norden ‚unangenehmem, schlechten Wetter, das durch Regen, Wind und eine graue, ungemütliche Atmosphäre gekennzeichnet ist‘. Solches Wetter empfängt uns heute Morgen, als wir den Kopf aus dem Hotel strecken. Auch wenn es zunächst etwas Überwindung kostet, die warme Stube zu verlassen, so werden wir Schritt für Schritt belohnt für unseren Entscheid, wandern zu gehen. Die Landschaft zeigt sich von einer ganz neuen, eindrücklichen Seite und offenbart neue Reize. Genau so gefällt es mir im Norden am Meer. Ab Kühlungsborn Ost trocknet es dann wieder ab und der Tag präsentiert sich immer sonniger. Ideales Wetter um zu Fuss unterwegs zu sein. Schon bald erreichen wir Heiligendamm, den Ort, an dem 2007 der G7-Gipfel durchgeführt wurde (Da waren die Hoffnungen auf eine gemeinsame friedliche Welt noch intakt). Die Erwartungen sind gross an den Ort, dem vor rund 700 Jahren die Zisterziensermönche aus Bad Doberan zum Namen verhalfen. Der Sage nach waren es nämlich ihre nächtlichen Gebete, die die Sturmflut der Ostsee einen Damm auftürmen liess und das Inland vor Überflutung schützten. Dieser „Heilige Damm“ (effektiv eizeitliches Moränengeröll) verhalf dem Ort dann zu seinem Namen. 

Mit der Dampfbahn Molli liessen wir uns anschliessend bis nach Bad Doberan fahren. Nach einer gemütlichen Rast in der Bäckerei Sparre erfuhren wir in einer kurzweiligen Führung viel Wissenswertes rund um das Münster, bzw. die Kirche zu Bad Doberan. Im 12. Jahrhundert waren die Voraussetzungen für die Erstellung eines Zisterzienserklosters an diesem Ort ideal. „Mecklenburg, ein Land des Mangels und des Hungers, wo der Sitz des Satans und aller bösen Geister ist“, schrieb 1170 der Chronist Helmold von Bosau. Pribislaw, der damalige Herr von Mecklenburg, gelang es, die Geschicke des Landes in bessere Bahnen zu lenken. Er schaffte es, in Bad Doberan ein geistliches und zugleich wirtschaftliches Zentrum zu errichten. Nach einem kurzen Parkrundgang ging es mit vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen mit der Dampfbahn Molli zurück nach Kühlungsborn.

Tag 4 (16.9.): Landeshauptstadt Schwerin

Der heutige Tag war irgendwie wie geschaffen für einen Städtetripp. Das Wetter zeigte sich dabei so ziemlich von allen Seiten: Mal war es stürmisch und trocken, dann wieder turbulent, voller Kapriolen und SEHR nass und dazwischen immer wieder verlockend sommerlich freundlich und voller Sonnenschein. Ein Tag, um sicher stets das falsche Kleidungsstück zu tragen… oder dann am besten einfach ‚Augen zu und durch‘ mit dem konsequent gleichen Outfit.

Mit dem heutigen Stadtführer schienen wir das grosse Los gezogen zu haben. Ich traf hier noch nie einen derart engagierten und von seiner Stadt unglaublich begeisterten Guide wie Norbert! Auf dem Bertha-Klingberg-Platz zog er uns mit der Geschichte zur Blumenfrau vom Schweriner Markt gleich in seinen Bann. Jahrelang traf man das stadtbekannte Schweriner Original in ihrer Rehnaer Tracht auf dem Markt an. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands sammelte sie 1990 – mittlerweile 92-jährig – innerhalb kürzester Zeit 17’000 Unterschriften für Schwerin. Damit trug sie massgeblich zur Wahl Schwerins als Landeshauptstadt des neuen Bundeslandes bei. Es war ihr Traum als Blumenfrau die Bundesgartenschau 2009 in ihrer Heimatstadt noch erleben zu dürfen. Leider blieb ihr dies verwehrt. Sie verstarb 2005 im Alter von sage und schreibe 107 Jahren. Ihr zu Ehren und zum Dank trägt der Platz am Eingang zur Bundesgartenschau nun ihren Namen.

Bronzestatue einer älteren Frau, die eine Blumenstrauß hält, neben einer Gießkanne, umgeben von Blumen und einem urbanen Hintergrund.
Bertha Klingberg – Die Blumenfrau vom Schweriner Markt

Mit solchen und weiteren kurzweiligen Geschichten ging es weiter und wir erfuhren viel Spannendes über Schwerin. Abgeschlossen wurde der Rundgang mit einem Einblick in den St. Marien-Dom zu Schwerin. Allein dieses Gebäude birgt Geschichten für unzählige Stunden. Auch wenn im Anschluss an die Führung jede/-r die Stadt auf seine Weise individuell erkunden konnte, gibt es auch künftig noch allerlei zu entdecken. Kurzum: Es lohnt sich unbedingt wieder einmal herzureisen, denn auch kulinarisch hat Schwerin mit seinen unzähligen Beizen, Cafés und Restaurants einiges zu bieten. Egal, ob es dabei regnet, stürmt oder die Sonne scheint 😉

Tag 5 (17.9.): Rerik und das Salzhaff

„Erster Herbststurm der Saison zieht über MV hinweg“, titelte NDR in seiner Online-Ausgabe vom 16.9.2025. Das Sturmtief „Zack“ liefere einen Vorgeschmack, wie es sein werde, wenn Wind, Wolke, Regen und Sonne am Himmel um ihre Vormachtstellung kämpfen. Von den Häusern Kühlungsborns umgeben merkten wir beim besteigen unserer Pferdekutsche noch nicht viel von diesem Tiefdruckgebiet über der Ostsee. Doch schon kurz darauf wurde uns bewusst, was es heisst, wenn einem hier im Norden der Wind um die Ohren pfeift! Pippi und Hera, unsere beiden treuen Zugpferde, scheinen sich bei diesem Wetter allerdings wohl zu fühlen. Sie waren auf jeden Fall voller Temperament im Einsatz und liessen dabei ihren Schaum in alle Himmelsrichtungen fliegen. Auch in Richtung Kutschbock… In Meschendorf verliessen wir die Kutsche mit zwischenzeitlich fast steifen Gliedern und machten uns auf die Wanderung der Küste entlang nach Rerik. Dabei blies uns der Wind weiterhin mächtig um die Ohren. Wir waren froh um unsere wollenen Mützen, die in solchen Momenten hervorragende Dienste leisteten.

Vom Regen blieben wir glücklicherweise bis zum Ende der Wanderung verschont. Und auch auf dem Salzhaff, einer durch eine Nehrung fest von der Ostsee abgeriegelten Bucht, ging es erst einmal ganz gesittet zu und her. Doch dann setzte auf dem Schiff für einen Moment der Regen ein. Und wie! Unglaublich, wie es hier so quasi aus dem Nichts regnen kann. Jean-Luc Bannalec hätte seine liebe Mühe, dies gleich blumig zu beschreiben wie in seinen Krimi aus der Bretagne mit Kommissar Dupin. Und „zack“ war der Regen auch wieder vorbei. Daher wohl der Name des Sturmtiefs. So genossen wir bei Kaffee und Kuchen die gemütliche Rundfahrt auf dem Salzhaff und erfreuten uns über den Schiffshund und die heute sichtlich gut gelaunte Chefin. Der Linienbus 121 brachte uns danach auf direktem Weg zurück nach Kühlungsborn. Mit einem stimmungsvollen Sonnenuntergang verabschiedete sich der Tag dann wieder äusserst versöhnlich.

Tag 6 (18.9.): Halbinsel Darss

Nach ein paar Tagen rund um Kühlungsborn und einem Ausflug in die Landeshauptstadt Schwerin ging die heutige Tour in den Darss, bzw. den Darsser Ort. So bezeichnet man die Nordspitze der Halbinsel. Der Naturraum zählt zu demn wertvollsten an der südlichen Ostseeküste. Seit 1990 gehört der Ort zur Kernzone des neu geschaffenen Nationalparks. Der Leuchtturm Darsser Ort liegt mitten in dieser Kernzone – und diente heute als unser Ausflugsziel. Mit dem Bus ging es komfortabel bis nach Prerow. Dort wurden wir von einem super gesprächsfreudigen jungen Kutscher erwartet. Durch den bekannten Darsser Föhren-Wald ging es mit 2 PS gemütlich bis zum Leuchtturm. Nach einer Stärkung im Café und der Besichtigung des Leuchtturms inkl. sehr aufschlussreichem Museum, machten wir uns auf den Weg, die Landzunge zu umwandern. Traumhaft, was wir hier so alles erleben durften. Einerseits war es unglaublich schön, im Sand zu wandern, andererseits aber auch fantastisch, was man hier an Wildtieren entdecken kann. Den ambitionierten Hobby-Fotografen sei Dank: Sie zeigten uns spontan und mit Stolz ihre tollen Bilder von Hirsch und Wildschein. Später am Strand war es uns eine Vergnügen, den Schnepfen und sonstigen Watvögel bei der Futtersuche zuzuschauen. Wir mussten dann weniger nervös hin- und hergehen, um zum Futter, bzw. zum Drink zu kommen… Dazu konnten wir den Blick auf die mit 720 Metern aktuell längste Seebrücke mit integriertem Nothafen der Ostsee werfen. Ein eindrückliches Bauwerk, das da erstellt wurde!

Tag 7 & 8 (19./20.9.): Rostock, Warnemünde und Heimreise

Rostock, die pulsierende Stadt an der Warnow, im Norden von Mecklenburg-Vorpommern. Fast wäre sie Landeshauptstadt geworden, wäre die sympathische Blumenfrau in Schwerin nicht dermassen aktiv geworden. Für uns ist die Stadt auch so sehr eindrücklich. In einer sehr sympathisch und autenthisch gestalteten Führung gab uns Marian einen klitzekleinen Einblick in das Leben der Universitäts-Stadt mit ihren gut 205’000 Einwohnern. Die Besichtigung der astronomischen Uhr in der St.-Marien-Kirche bildete dabei mein persönliches Highlight. Unglaublich, was Hans Düringer, der Erbauer der Uhr, 1472 (!!!) zustande brachte. Und sie funktioniert weiterhin mit dem Original-Uhrwerk. DAS nenne ich grosse Handwerkskunst. Im Anschluss an die Stadtführung ging es kurzweilig auf der Warnow weiter. Der Kapitän der Reederei Schütt kam mit seinen Ausführungen flott in Fahrt. Er war dabei stellenweise derart im Flow, dass er gar nicht mehr bemerkte, ob das Mikro an oder aus war… Herrlich, wenn man auch nach Jahren noch so für eine Sache begeistern kann! Und, ja, das MS Mecklenburg blieb immer auf Kurs.

Warnemünde empfing uns wie immer mit einer erdrückenden Zahl an Touristen. Kein Wunder, denn „Mein Schiff“ brachte eben knapp 3’000 Erlebnishungrige in den Ort… Schon nach wenigen Metern entspannt sich der Dichtestress aber wieder und das Örtchen entfaltet seinen einmaligen Reiz. Nach ausgiebiger individueller Pause wanderten wir dann zum Abschluss dieser Wander- und Kulturwoche gemütlich der Ostsee entlang bis zum Hotel Ostseeland.

Auch die schönte Zeit hat einmal ein Ende. Und so geniessen wir noch einmal das unglaublich vielseitige Frühstücksbuffet im Hotel, ein letztes Bad in der Ostsee, die traumhafte Morgenstimmung am Strand, umrandet mit dem unverkennbaren Gekreische der Möwen, und, und, und. Doch dann ist definitiv Schluss und wir fahren mit Bus und Zug (bis Redaktionsschluss SEHR pünktlich…) zurück in die Schweiz. „Eifach hübsch isch gsi!“


PS: Hier findest du die nächsten tollen geführten Wanderangebote mit mir. Nichts Passendes gefunden? Lass uns individuell eine geführte Tour aushecken… Mail und/oder Anruf genügt :-). Bis bald!



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Michael Meier

Zu Fuss unterwegs im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, bei Sonne, Regen oder Schnee mit und ohne Schneeschuhen. Ganz egal. Wichtig ist mir, mit frischem Geist und offenen Augen meine (Um-)Welt immer wieder neu zu entdecken und zu erleben. Die Foto-Kamera begleitet mich dabei, das Erlebte bildlich festzuhalten, um dann und wann einen Blog zu verfassen. Schön, wenn sich dadurch zahlreiche naturbegeisterte Menschen für eine geführte Wanderung mit mir motivieren lassen.