Anreise (21.9.25): Nach Duden versteht man unter Juwel „eine Person oder Sache, die für einen besonders wertvoll ist“. Der Name dieser Baumeler-Reise ist für mich daher mehr als passend, freue ich mich doch jedesmal von Neuem sehr auf das, was mich auf dieser Insel erwartet. Bis jetzt wurde ich noch nie enttäuscht. Und so, wie es aussieht, werde ich auch dieses Mal wieder wunderschöne Naturerlebnisse mit tollen Gästen geniessen können.

Die Embraer 170 der People’s Airline stand bereits reisefertig auf dem Flugfeld in Altenrhein, als ich auf dem Flughafen eintraf. Es reichte gerade noch für einen letzten Cappucino. Danach ging es rassig: Check-in, Zollkontrolle, einsteigen, Platz nehmen und einen fantastischen Flug über die Alpen geniessen. Eine knappe Stunde später landeten wir bereits in Calvi. Mit sommerlichen 32 Grad, bei Sonnenschein und wolkenlosem Himmel wurden wir auf der Insel in Empfang genommen. Kurze Zeit später erreichten wir Corte und konnten die Zimmer im Hotel du Nord beziehen. Doch da, was ist denn das für ein Getöse in den Gassen? Da kommen ja getunte Rally-Fahrzeuge in Heerscharen von allen Seiten angefahren. „Oh, mein Gott“, geht es mir durch den Kopf, „das kann ja heiter werden!“. Glücklicherweise handelte es sich lediglich um ein letztes Zusammentreffen der Rally-Community. Gegen Abend nahm dann wieder das vertraute Leben in Corte seinen Lauf und alle Einkehrmöglichkeiten waren wie gewohnt geöffnet. Aber wie heisst es doch: Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erzählen. 😉

Wanderung ins Manganello-Tal (22.9.25): Wettermässig hätte ich mir den ersten Morgenkaffee etwas idyllischer vorgestellt. Auf jeden Fall sicher nicht begleitet von dermassen viel Regen. Ein Blick um die Häuserfront liess mich jedoch Hoffnung schöpfen. Da drückte doch irgendwo die Sonne durch? Genau so war es. Bis zur Abfahrt in Richtung Canaglia klarte der Himmel auf und in der Folge durften wir einen wunderschönen Tag geniessen. Der Wanderweg war vom Unwetter im Frühling wieder repariert, die Bergerie de Tolla noch bedient, alle Brücken vorhanden und begehbar und ‚Mimi‘ empfing uns zum Abschluss mit Freude zu einem Drink auf der Veranda. So bereitet wandern Freude! – Mein persönliches Highlight stellten aber die Feuersalamander dar, die sich heute mit Stolz zeigten. Die mehrheitlich nachtaktiven Amphibien schienen sich vom Regen nach Draussen gezogen gefühlt zu haben und bereicherten die Wanderung auf angenehme Weise.



Panoramawanderung nach Corte (23.9.25): „Arrête de demander“ heisst „Halt auf Verlangen“. Und wenn man nicht drückt, tuckert der Zug weiter… Oh, Schreck, das war ein Auftakt heute. Der Zug war dermassen gut gefüllt, dass ich fern eines Knopfes Stand, um einen Halt anzufordern, und ehrlich gesagt, hatte ich diese Nuance auch schlichtweg vergessen. Nun, es war auch schön, in Venaco auszusteigen. Eigentlich ist es noch fast schöner, hier mit wandern zu beginnen ;-).



Nach ein paar Metern auf der „Bahnhofstrasse“ steigt der Weg rasch an und führt angenehm nach ‚Santo Pietro-di-Venaco‘. Ab da steigen wir einem Bach entlang und durch Mischwald ab in Richtung Casanova. Dabei passieren wir eine der diversen alten Mühlen, die hier vor Jahren noch aktiv ihren Dienst leisteten. Für mich bleibt es rätselhaft, dass es heutzutage dermassen günstiger ist, das Korn um die halbe Welt zu karren, um anschliessend wieder hier auf den Markt zu bringen. Der Weg führt uns dann dann weiter durch coupiertes Gelände, bevor wir uns an den Aufstieg zur Punta Cisterna (1031 müM) machen. Nach einer ausgiebigen Rast, begleitet von regelmässigem Grunzen aus dem Wald, steigen wir ab zur Punta di u Corbu und erreichen kurze Zeit später Corte. Bei allerbestem Wanderwetter sind wir in 5 1/2 Stunden knapp 14 km gewandert und haben dabei 655 HM Aufstieg und 800 HM Abstieg bewältigt. Eine stolze Leistung!




Punta di Caldane (24.9.25): Mit seinen 1724 m.ü.M. ist die Punta die Caldane eine der höchsten Erhebungen im Mittelgebirge. Besonders eindrücklich ist für mich jedesmal, wie wir auf dem Gipfel mit einer Kopfbewegung von Bastia zur Insel Elba, über den Sandstrand im Osten bis hin zu den höchsten Bergen im Westen mit Monte Cinto (2706), Monte Ritondo (2622) und Paglia Orga (2525) alles im Blickfeld haben. Gemütlicher Sandstrand auf der einen, alpine Berge auf der anderen Seite. Das ist Korsika, die Schöne Insel im Mittelmeer.



Bei erneut bestem Wanderwetter machen wir uns in Pianello auf den Weg. Bei angenehm frischen Temperaturen wandern wir durch den Mischwald und bestaunen die kunstvoll um die Kastanienbäume geschaffenen Löcher der korsischen Wildschweine. Leider erblicken wir auch heute keinen dieser typischen Inselbewohner. Danach beginnt der Weg zu steigen. Schon bald können wir die Landschaft bestens überblicken und die Fernsicht geniessen. Nach ca. 3 Stunden erreichen wir den Gipfel. Der Abstieg führt uns dann mehr oder weniger weglos (…) über die Punta Ventosa zur Pointe de L’Orsaja und zurück auf den ‚richtigen‘ Wanderweg. Ja, wandern auf Korsika ist Abenteuer pur und sorgt immer wieder für Überraschungen. Insbesondere, wenn es irgendwann seit meinem letzten Besuch mal richtig zu stürmen und regnen schien. An der Stimmung konnte dieses Intermezzo nichts abtun. Schritt für Schritt führte uns zurück ins Tal. Dort wurden wir zuverlässig von unserem Chauffeur begrüsst und SEHR angenehm nach Corte zurück gebracht.


Col de Vergio und Calvi (25.9.25): Mit den schönen Wanderungen rund um Corte haben wir einen ersten ansprechenden Eindruck vom zentralen Korsika erhalten. Wenn wir heute nach Calvi und damit zum mediterranen Küstengebiet wechseln, kann der Kontrast kaum grösser sein. Der Weg führt uns dabei über den Col de Vergio. Kurz unterhalb der Passhöhe verlassen wir den Bus und wandern in rund 2 1/2 Stunden zu den wunderschönen „Cascade de Radule“ (Wasserfälle am Golo), gönnen uns eine Stärkung in der Bergerie de Radule und bekommen einen Eindruck, wie es ist, auf dem GR20 zu wandern. Dem ‚Spelunca-Tal‘ entlang geht es danach mit dem Bus weiter nach Porto. Kaffeehalt am Meer – (Muss sein…!) Danach tuckern wir gemütlich der Küste entlang nach Calvi. Dabei geniessen wir die unglaublich schöne Aussicht auf weltbekannten roten Felsen des Naturreservates rund um Scandola.



Halbinsel Revellata (26.9.25): Die Halbinsel Revellata mit ihrem gut erhaltenen Leuchtturm will einfach erwandert werden. Der Weg dorthin führt uns allerdings zuerst hoch zur Schutzpatronin von Calvi. Die Notre Dame de la Serra trohnt hoch über dem 5’720-Seelen-Dorf und scheint sich für das Wohl ihrer Bewohner/-innen einzusetzen. Letztmals war dies im 2022 aktiv der Fall. Damals tobte ein unglaubliches Gewitter über dem Ort. Die Schutzpatronin bereitete ihre Arme aus und steuerte den Blitz zu ihr. Der Ort selber blieb unversehrt, die Statue wurde hingegen zerstört. Heute erstrahlt der Wallfahrtsort in neuem Glanz. Die Wanderung führt uns danach weiter auf und um die Halbinsel. Diese Woche scheinen wir einfach unglaubliches Wetterglück zu haben. Nicht zu heiss, nicht zu trocken, kein Niederschlag. Einfach perfekt, um sich an der frischen Luft aufzuhalten und ab und zu sogar einen Schwumm zu wagen.



Capu di a Veta (27.9.25): Zum Abschluss dieser schönen Wanderwoche auf Korsika machen wir heute eine Wanderung auf den Hausberg von Calvi. Der Capu di a Veta, bzw. das ‚Österreicher Kreuz‘ möchte uns herausfordern… Österreicher Kreuz? Ja! Sie waren es, die vor Jahren den Alpinismus auf der ‚Insel der Schönheit‘ zu prägen begannen und auch die Tradition einführten, dass auf einem Gipfel ein Kreuz stehen soll. Ein Kreuz als Sinnbild für Offenheit und Toleranz und eine Einladung, einen Moment persönlich inne zu halten. Nicht zuletzt deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass solche Kreuze auch heute noch nichts an ihrer Aktualität eingebüsst haben.



Mit wunderbaren Gästen durfte ich eine weitere sehr schöne Wanderwoche auf Korsika verbringen. Nicht nur das Gesellige hat von A – Z bestens gepasst, auch die ‚Gebirgstauglichkeit‘ war von allen Teilnehmenden mehr als gegeben. DANKE!
Mit einem Direktflug der People’s geht es Morgen Sonntag ab Calvi zurück in die Schweiz. Herzlichen Dank an dieser Stelle auch an alle, die meine Reise mit Interesse verfolgt (und kommentiert) haben. So macht es Freude, zu bloggen.


PS: Hier findest du die nächsten tollen geführten Wanderangebote mit mir. Nichts Passendes gefunden? Lass uns individuell eine geführte Tour aushecken… Mail und/oder Anruf genügt :-). Bis bald!
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